Der Geschmack unendlicher Gastfreundschaft. Uli ist auf ihrer Cocktail-Reise inzwischen in Georgien eingetroffen. Und dort gefällt es ihr richtig gut! Wein, leckeres Essen und eine wunderschöne Landschaft.
Es gibt eine wunderbare georgische Legende: Als Gott die Erde unter die Völker verteilte, die sich sogleich um die besten Landstriche stritten, saßen die Georgier gemütlich unter einem Baum. Sie aßen Käse und Brot, tranken Wein, sangen und stießen auf den Schöpfer an. Als sie schließlich vor ihn traten, war kein Land mehr übrig. Doch ihre Lebensfreude, Ehrlichkeit und Gastfreundschaft gefielen Gott so sehr, dass er ihnen kurzerhand das Stück Erde schenkte, das er eigentlich für sich selbst reserviert hatte: Georgien.
Das Leben stilvoll zu genießen, haben die Georgier perfektioniert: Wer hierher reist, kommt am Wein nicht vorbei – er ist die Seele der Nation. Nachweislich wurde hier bereits 6.000 v. Chr., also vor rund 8.000 Jahren, erstmals Wein hergestellt, was Georgien zur ältesten Weinregion der Welt macht. Die besondere Bernsteinfarbe der georgischen Weine entsteht durch ihre einzigartige Herstellungsmethode: Die gesamte Ernte – also Saft und Beeren – fermentiert in riesigen, lichtdicht in der Erde vergrabenen Tonkrügen, den sogenannten Kvevris. Aus Käse und Brot wurde Chatchapuri, das es in unendlich vielen regionalen Varianten gibt. Ein weltbekannter Klassiker aus Adscharien ist die schiffsförmige Variante, die mit Schmelzkäse, Ei und Butter gefüllt ist.
Bevor ich in diesem Paradies ankomme, erlebe ich eine rasante Höllenfahrt im Kleinbus: In einer wilden sechsstündigen Fahrt geht es von den Höhen Ostanatoliens direkt hinunter ans Schwarze Meer. In der linken Hand das Handy im Dauereinsatz am Ohr, in der rechten eine qualmende Zigarette und irgendwo dazwischen auch das Lenkrad – der Fuß fest auf dem Gas, im Tiefflug durch eine raue, wunderschöne Landschaft aus Canyons und Bergseen.
Als uns das Militär auf dem Weg stoppt, denke ich: Jetzt kriegt er die Quittung. Von wegen. Die Soldaten wollen nur das frische Brot, das unser Fahrer als inoffizieller Kurier in großen Tüten für sie geladen hat.
Vom türkischen Hopa aus überquere ich die Grenze. Kaum habe ich das moderne Terminal passiert, schnappe ich mir eine Marschrutka – ein Minivan, der erst losfährt, wenn er voll ist. Keine Stunde später empfängt mich Batumi mit einer Skyline, die mich an Kuala Lumpur erinnert: Futuristische Wolkenkratzer schießen glitzernd in den Himmel, nur um wenige Schritte weiter in die entspannte, historische Altstadt mit ihren schmucken Fassaden überzugehen. Ein Steinwurf entfernt lockt der Boulevard: Palmen, Parks und Strand. Urlauben wie Gott in Georgien – hier gibt es alles, was das Herz begehrt, und das in unzähligen Cafés und Restaurants, die im Vergleich, auch zur Türkei, herrlich preiswert sind.
Was georgische Gastfreundschaft, Wein und Kulinarik bewirken können, erlebe ich auf einer malerischen Terrasse über den Weinbergen bei Batumi: bei einer Supra, der traditionellen Tafelrunde. Unser Hausherr und Winzer fungiert als Tamada – als Tafelmeister, der Trinksprüche ausbringt, Wein ausschenkt und seine Gäste umsorgt. Wir sind eine zusammengewürfelte Gruppe aus der Ukraine, Russland, Israel, Polen, Estland – und ich die einzige Deutsche. Zuerst ist die Stimmung noch etwas steif, doch mit jedem Glas Wein, dem feurigen Chacha, einem Tresterbrand, und den tiefgründigen Trinksprüchen auf Liebe, Freundschaft, Frieden und das Leben schmilzt das Eis. Am Ende tanzen wir alle laut singend im Gänsemarsch um den Tisch. Gestartet mit traditionellen georgischen Schritten, landen wir schließlich bei Shakiras ‚Hips Don’t Lie‘ und liegen uns in den Armen. Unser Tamada hat ganze Arbeit geleistet.
In Kutaissi geht das schöne Leben weiter. Ich wohne bei Nina im Daysi’s Home. Sie bemuttert ihre Gäste mit ausufernden Frühstückstafeln, organisiert mir kurzentschlossen einen Friseurtermin und lernt in jeder freien Minute eifrig Englisch, während sie mit einem Lächeln sagt: „Ich reise nicht, aber die Welt kommt so zu mir.“
Die Landschaft um Kutaissi ist von steilen Hügeln und trutzigen Steinkirchen auf den Gipfeln geprägt – ein Postkartenmotiv, das mir in einer Tour begegnet. In der berühmten Bagrati-Kathedrale – die durch ihre „zu moderne“ Restaurierung zwar ihren UNESCO-Titel verlor, aber nichts von ihrer Aura eingebüßt hat – erlebe ich eine hypnotische Stimmung: Frauen mit bunten Kopftüchern, die Luft schwer vor Weihrauch, erfüllt von mehrstimmigem Gesang. Hinter der Kirche entdecken wir einen verwilderten Marani, ein Weinkeller, in dessen Boden noch die Jahrhunderte alten Vertiefungen der Kvevris zu sehen sind.
Auch der Regen, der mich in Kutaissi ständig begleitet, kann die Stimmung nicht trüben. Sei es bei einer Fahrt mit der Seilbahn zum rostigen Riesenrad, das mich mit einem grandiosen Blick über die Stadt belohnt, oder beim obligatorischen Abschied: die viel gerühmten Chinkali. Man isst die kunstvoll geknoteten Teigtaschen nicht mit Gabel und Messer, sondern packt sie am „Knoten“, um den Bissen samt heißer Fleischbrühe direkt zu genießen – eine Lektion, die ich nach anfänglichen Versuchen schnell gelernt habe.
In Tiflis bemerke ich im Stadtbus, dass sich Menschen immer wieder hektisch bekreuzigen – Jung wie Alt. Erst denke ich, es hat mit mir zu tun, doch ich lerne schnell: Orthodox zu sein heißt, Georgier zu sein. Die Religion ist so tief mit der Identität verwoben, dass man sich im Vorbeifahren oder Vorbeigehen an jeder Kirche bekreuzigt. Für einen landesweiten Babyboom war hier sogar der kürzlich verstorbene Patriarch Ilia II. verantwortlich: Er versprach, für jedes dritte und jedes weitere Kind einer Familie persönlich die Patenschaft zu übernehmen. Am Ende kam er auf unglaubliche 41.000 Patenkinder – eine riesige Ehre und ein Grund, warum die Jugend der Kirche so treu bleibt.
Auf einer Weintour nimmt mich Olena aus der Ukraine ins Schlepptau und stellt mir ihre neuen Freunde vor: vier türkische Physiotherapeuten in den Vierzigern – allesamt Hostel-Bekanntschaften. Als ich Olena frage, ob man in unserem Alter im Hostel nicht auffällt, lacht sie laut auf: „Das dachte ich auch! Aber ich habe dort niemanden unter 40 getroffen. Die jungen Leute gehen doch alle ins Hotel, denen ist es im Hostel viel zu laut!
Gemeinsam probieren wir Khvanchkara, den Lieblingswein Stalins. Ein sehr süffiger, halbtrockener Rotwein, den der aus Georgien stammende Diktator 1945 bei der Konferenz von Jalta als flüssige Diplomatie einsetzte, um die zähen Verhandlungen mit Churchill und Roosevelt aufzulockern.
In Georgien wird mit großer Ernsthaftigkeit und viel Verve geshaked; überall findet man hochkreative Signature Drinks. Mein persönlicher Liebling entstand an einem heißen Abend in der legendären Bar des Rooms Hotel in Tiflis. Diesen georgisch inspirierten Sour können wir uns ganz einfach nach Hause holen.
Die exotische Feijoa – eine Guaven-Art – wächst keineswegs nur in Südamerika; sie gedeiht auch im milden, subtropischen Klima Georgiens prächtig. Während in der Rooms Bar lokaler Feijoa-Brandy von Benjys verwendet wird – der trotz vieler Auszeichnungen in Europa leider nicht im Einzelhandel zu finden ist –, greifen wir zu Hause zu einer zugänglicheren Variante: Wir paaren einen guten, milden Brandy mit süßem Guaven-Nektar – eine Kombination, die dem Original in nichts nachsteht.
Die Zutaten
- 5 cl Brandy: Ein hochwertiger, milder Brandy oder ein feiner Weinbrand, zum Beispiel Carlos I Gran Reserva oder Asbach Uralt.
- 3 cl Guaven-Nektar: Für die fruchtige Süße, etwa von Granini oder Bauer.
- 2 cl frischer Bio-Zitronensaft: Frisch gepresst, für die klassische Sour-Struktur.
- 3–4 Dashes Fee Foam von Fee Brothers: Für eine perfekte, vegane Schaumkrone.
- 1 frische Orangenzeste: Als aromatisches Finish und Garnitur.
Die Zubereitung
- Ab in den Shaker: Brandy, Guaven-Nektar, Zitronensaft und die Spritzer Fee Foam in den Shaker geben.
- Der Dry Shake: Den Shaker zunächst ohne Eis für etwa 10–15 Sekunden kräftig schütteln. Das sorgt dafür, dass sich der Schaum perfekt aufbaut.
- Der Wet Shake: Den Shaker nun mit reichlich festem Eis auffüllen und ein zweites Mal eiskalt schütteln, bis die Außenseite des Shakers spürbar beschlägt.
- Das Abseihen: Den Cocktail durch einen Strainer in einen mit frischem Eis gefüllten, vorgekühlten Tumbler abseihen.
- Die Garnitur: Eine frische Orangenzeste über dem Drink ausdrücken, damit sich die ätherischen Öle auf dem Schaum entfalten. Die Zeste anschließend als edle Dekoration mit ins Glas geben.
Gaumarjos!
Georgien bietet eine schier endlose Weinvielfalt. Wer diesen Geschmack auch zu Hause genießen möchte, sollte einen Blick auf die Enothek 8000 Vintages werfen. Mit Standorten in Tiflis, Batumi und – genialerweise – auch in Berlin-Kreuzberg, bietet sie eine kuratierte Auswahl an hunderten georgischen Weinen. Der Name ist Programm: Er unterstreicht den Anspruch, die enorme Vielfalt und Qualität moderner wie traditioneller Jahrgänge an einem Ort zu bündeln. Ein Muss für jeden, der den Geist Georgiens im Glas sucht!
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