Wege aus der Krise

Es hilft kein Jammern, es hilft kein Klagen. Selbst die Rettung eines Wals hätte uns nicht aus der Krise geholfen. Mystisch-religiöse Umwege waren noch nie eine Lösung. Dabei weiß jeder, was zu tun ist.

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Nachdem inzwischen auch der Letzte bemerkt hat, wie schlecht es uns geht und wie schlecht wir regiert werden, macht sich zunehmend Panik breit. Kein billiges Gas mehr, der Krieg gegen den Iran verschärft die Energiekrise. Wärmepumpen, Elektroautos, Sonnenenergie… bringt alles nicht den erhofften Effekt. Die Gesellschaft altert rapide, der Urlaub auf Mallorca ist kaum noch zu bezahlen, es droht massenhafte Armut. Kriege überall und jetzt wollen auch noch die Amerikaner ihre Truppen abzuziehen. Und das schon 81 Jahre nach Kriegsende!

Was tun? Globuli auf Rezept? Geld vom Staat für alle, noch viel mehr Schulden? Unbezahlbare Wohnungen in Duisburger Schrottimmobilien für alle Roma aus der gesamten EU? Verpflichtung zur allgemeinen Psychotherapie? Aber, wir ahnen es bereits, das hilft alles nichts.

Sogar mit dem Gesundbeten hat man – trotz umfangreicher Versuche – keine guten Erfahrungen gemacht. Timmy, der verirrte Wal aus der Ostsee, ist ein gutes Beispiel. In fast mystischer Verzückung haben ihn einige nicht weniger Verwirrte zu Tode gerettet. Das hat Millionen gekostet und war für Timmy sicher kein Vergnügen.

Ein Gnadenschuss wäre angemessener gewesen. Offenbar hatte die Natur entschieden, den Wal aus dem Genpool zu mendeln. Vermutlich haben aber auch der Klimawandel, die Umweltverschmutzung und der Massentourismus eine Rolle gespielt. Timmys Brüder und Schwestern sollten besser aufpassen.

„Hope“, den ersten Namen für den Wal fand ich sowieso viel treffender. Überall nur Krise und Existenzangst, da braucht man doch wenigstens ein Fünkchen Hoffnung! Ein inzwischen verfaulender Buckelwal als quasi religiöse Projektionsfläche kommt da gerade sehr gelegen.

Und die Geschichte zeigt, es geht noch viel extremer: Nach bislang unbestätigten Berichten, wurden in Köln und auch in Berlin wieder erste Umzüge von sogenannten Geißlern und Pönitenten gesehen. Wobei beide Gruppen sich dadurch unterscheiden, dass erstere sich selbst auspeitschen, während letztere sich von anderen durchprügeln lassen, um Buße zu tun.

Das hat schon damals, Ende des 14. Jahrhundert, kein bisschen gegen die Pest geholfen, aber vielleicht kann man es ja mit moderner wissenschaftlicher und theologischer Begleitung nochmal versuchen?

Kinderkreuzzüge wären auch eine Option. Was man so hört, sollen sich in Oberammergau und Umgebung Gruppen von Gymnasiasten auf den Weg nach Moskau gemacht haben – ohne Jacken und natürlich unbewaffnet. Sie wollen Diktator Putin überzeugen, doch endlich der Gewalt abzuschwören. Man kann nur hoffen, dass ihnen das Schicksal ihrer Vorbilder erspart bleibt: wer nicht verhungerte, wurde versklavt. Im heutigen Russland ist am ehesten mit Zwangsrekrutierungen für den Fronteinsatz in der Ukraine zu rechnen.

An potentiellen Anführern für diese verirrten Seelen gibt es heute wie damals keinen Mangel – Männer und Frauen mit göttlichen Visionen en masse. Helmut Schmidt, ein richtiger Bundeskanzler, ein echter Politiker – ja, das gab’s, bevor wir es nur noch mit Politiker-Darstellern zu tun bekamen – wusste auch in diesen Fällen, was zu tun ist: „Wer Visionen hat, sollte zum Arzt gehen“.

Dabei gibt es eine Lösung für die diversen Krisen, Ängste und Paralysen, die quasi kinderleicht ist und die wir schon im Kindergarten gelernt haben (sollten): Wer hingefallen ist, putzt sich den Rotz von der Nase, steht wieder auf, spuckt in die Hände – und macht einfach weiter.

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