Parkinsons Gesetz
Wirtschafts-Humor gegen Bürokratie: Wie der britische Marine-Historiker C. N. Parkinson schon in den 50ern den bürokratischen Wahnsinn entlarvte. Zeitlos & amüsant! ⚓ Parkinsons Erbe.
Alle reden von der Krise aber nur wenige darüber, wie eine ihrer wichtigsten Ursachen, nämlich die überbordende Bürokratie, der Wasserkopf in Staat und Unternehmen bekämpft werden kann. Einer der Pioniere in diesem Bereich – und dazu auch noch ein ziemlich lustiger, ist der britische Marinehistoriker Cyril Northcote Parkinson.
Er ist inzwischen so gut wie vergessen, war aber mal ein echter Star. Weltberühmt wurde Parkinson in den 50er Jahren des vergangenen Jahrhunderts als Wirtschafts-Humorist, ein Genre, das mittlerweile so gut wie ausgestorben ist. Scheinbar gibt es in diesem gesellschaftlichen Bereich inzwischen noch weniger zu lachen als früher.
Geboren 1909 in Barnard Castle in England, hat Parkinson nach seinem Abschluss am Londoner Kings College und nach dem Militärdienst im Zweiten Weltkrieg mehr als 60 Bücher geschrieben. Bekannt wurde er vor allem als Marinehistoriker, aber auch seine Abenteuerromane, etwa die Delancey-Reihe, wurden gern gelesen. Richtig berühmt wurde Parkinson dann 1955 völlig überraschend durch einen Essay in der Zeitschrift The Economist, aus dem 1957 dann der Weltbestseller „Parkinsons Gesetz“ hervorging.
Parkinson entwickelte seine Theorien über die ausufernde Bürokratie als Marinehistoriker durch die Analyse statistischer Daten der britischen Admiralität. Seine zentrale Beobachtung war das inverse, also genau umgekehrte Verhältnis zwischen der tatsächlichen Schlagkraft der Flotte und der Größe ihrer Verwaltung.
Im untersuchten Zeitraum von 1914 bis 1928 sank die Anzahl der einsatzbereiten Großkampfschiffe massiv um 68 % (von 62 auf 20 Schiffe). Das Personal zur See nahm deutlich ab: Die Zahl der Offiziere und Matrosen verringerte sich um 32 %. Gleichzeitig explodierte die Bürokratie: Die Zahl der Verwaltungsbeamten in der Admiralität stieg um 78 % an.
Daraus zog Parkinson im Wesentlichen zwei Schlussfolgerungen: Jeder Beamte möchte die Zahl seiner Untergebenen erhöhen, um seine eigene Bedeutung zu steigern, aber niemals die Zahl seiner Rivalen. Und: Beamte schaffen sich gegenseitig Arbeit (z. B. durch das gegenseitige Korrigieren von Berichten oder endlose Abstimmungsrunden), was den Personalbedarf weiter in die Höhe treibt, ohne dass die eigentliche Kernaufgabe an Umfang zunimmt.
Er untermauerte dies mit einer mathematischen Formel, laut der die Beamtenschaft in jeder Verwaltung jährlich um ca. 5,75 % wächst – völlig unabhängig vom tatsächlichen Arbeitsaufwand.
Um seine Beobachtungen zu untermauern, untersuchte Parkinson auch das britische Kolonialministerium. Seine Entdeckung dort war noch absurder: Während das Britische Empire zwischen 1935 und 1954 massiv schrumpfte, passierte im Ministerium das Gegenteil. Die Zahl der Kolonien nahm ab, die Zahl der Beamten im Kolonialministerium stieg jedoch von 372 auf 1.661 Personen an.
Fazit: Für Parkinson war damit klar, dass eine Verwaltung ab einer bestimmten Größe nur noch mit sich selbst beschäftigt ist. Er spottete, dass eine Behörde mit über 1.000 Mitarbeitern „völlig autark“ sei – sie könne ihre gesamte Zeit damit verbringen, interne Memos zu schreiben und zu beantworten, ohne jemals Kontakt zur Außenwelt zu benötigen.
Anhand dieser Erkenntnisse formulierte Parkinson fünf „Gesetze“, von denen das erste das wichtigste ist: „Arbeit dehnt sich in genau dem Maß aus, wie Zeit für ihre Erledigung zur Verfügung steht.“ Wenn du für eine Aufgabe, die eigentlich zwei Stunden dauert, einen ganzen Tag Zeit hast, wirst du auch den ganzen Tag dafür brauchen.
Das zweite Gesetz: „Die auf einen Tagesordnungspunkt verwendete Zeit steht im umgekehrten Verhältnis zu den damit verbundenen Kosten.“ Ein Komitee genehmigt den Bau eines Kernkraftwerks in wenigen Minuten, weil das Thema zu komplex für die meisten ist. Danach diskutiert es 45 Minuten über das Material für das Dach des Fahrradschuppens, weil jeder eine Meinung dazu hat.
Das dritte: „Ein Beamter will die Zahl seiner Untergebenen erhöhen, nicht die Zahl seiner Rivalen.“ Das vierte: „Beamte schaffen sich gegenseitig Arbeit.“ Und das fünfte: „Ausgaben steigen stets bis an die Grenzen der Einnahmen.“ Egal, wie viel Geld man zur Verfügung hat, man findet immer einen Weg, alles auszugeben. Budgets werden am Ende des Jahres oft „verpulvert“, damit sie im nächsten Jahr nicht gekürzt werden.
Warum sind Parkinsons Gesetze auch heute noch wichtig? Weil sie uns den Spiegel vorhalten. Sie entlarven unsere menschliche Neigung, Komplexität vorzutäuschen, wo Einfachheit nötig wäre, und Zeit zu verschwenden, wo Fokus gefordert ist.
Cyril Northcote Parkinson mag ein Spötter gewesen sein, seine Gesetze aber sind die vielleicht ehrlichsten Management-Regeln, die je aufgestellt wurden. Er starb 1993 in Canterbury. Parkinson gilt als Wegbereiter der modernen Organisationslehre.

